Diesel: Einigung beschert Kunden riesige Rabattwelle

Nach stundenlangen Verhandlungen von Union und SPD in der Nacht zu Dienstag stehen erste Details des Plans zur Lösung der Dieselkrise und Verbesserung der Luft in den Städten fest. Zum einen soll es, wie von der SPD gefordert, Nachrüstungen der Motoren von älteren Diesel-Pkw geben. Die Haftung für Katalysatoren und das Funktionieren der Abgasanlagen sollen die Zulieferer tragen.

Damit hat sich die deutsche Automobilindustrie, die sich bis zuletzt gegen Nachrüstungen sperrte, in einem wichtigen Punkt durchgesetzt. Die Autobauer in Deutschland argumentieren, dass sie keine Kapazitäten für die Entwicklung der nötigen SCR-Katalysatoren hätten. Außerdem würde es rund zwei Jahre dauern, bis solche Nachrüstsysteme serienreif sind – und eingebaut werden können.

Deshalb soll auf Produkte von Zulieferern zurückgegriffen werden, die es bereits einsatzfähig gibt. Da ein nachträglicher Einbau von Kat-Systemen ein weitgehender Eingriff in die Technik des Autos ist, stellt sich die Frage, wer die Gewährleistung übernimmt. Und die soll nun bei den Nachrüstern liegen. Damit kommen die Autobauer um ein großes Risiko herum.

Keine Nachrüstungen von Motoren wird es nach aktuellem Stand bei den ausländischen Herstellern geben. Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller VDIK, der die Importeure vertritt, sagte WELT: „Wir haben, was Nachrüstungen angeht, weiterhin technische, rechtliche und wirtschaftliche Bedenken.“ Sprich: Die Importeure werden ihre Autos vorerst nicht nachrüsten lassen.

Ausländische Hersteller werden Umtauschprämien anbieten

Allerdings werden sie weitgehende Umtauschprämien anbieten. Die Prämien sind die zweite Säule im Dieselkonzept von Verkehrsminister Andreas Scheuer CSU. „Nachdem es nun eine Einigung in der Koalition gibt, werden so ziemlich alle Hersteller, die bei uns vertreten sind, Prämien in irgendeiner Form anbieten“, sagte Zirpel. „Weitere Details gibt es, wenn wir genau wissen, was die Koalition nun genau beschlossen hat.“

Verkehrsminister Scheuer will seinen Plan um 11.30 Uhr in Berlin vorstellen, am Mittag äußert sich das Kanzleramt. Anschließend wollen die Hersteller nach und nach ihre Pläne für Umtauschprämien und weitere Maßnahmen bekannt geben. Klar ist, dass umfangreiche Kaufanreize angeboten werden sollen – auf Deutschlands Autofahrer und potenzielle Kunden rollt eine riesige Rabattwelle zu.

Als erster Autobauer kündigt Renault nach der Einigung im Dieselstreit eine Umtauschprämie an. Der französische Autobauer zahlt privaten Haltern alter Diesel-Pkw mit den Abgasnormen Euro 1 bis Euro 5 in Deutschland ab sofort beim Kauf eines Neuwagens gleich welcher Antriebsart bis zu 10.000 Euro Umtauschprämie, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab. Die Prämien sind nach Modellen gestaffelt. Das Angebot gelte für Dieselfahrer aller Marken und sei bis zum 30. November befristet.

Ford verlängert nach Informationen von WELT seine laufende Rabattaktion. „Wir zahlen einen Bonus von bis zu 8000 Euro für ein älteres Dieselmodell, wenn dafür ein Diesel der Klasse Euro-6, ein Benziner oder Hybrid gekauft wird“, sagte ein Sprecher. Bisher galt die Regelung nur, wenn ein Diesel der Klasse 1 bis 4 getauscht wurde. Nun weitet Ford die Aktion auch auf Euro-5-Autos aus.

Toyota rabattiert nur Hybrid-Modelle

Toyota geht einen anderen Weg und will Nachlässe beim Kauf von Hybriden gewähren. „Wir verlängern unsere Aktion, bei der es bis zu 5000 Euro Nachlass gibt, wenn man einen Hybrid kauft“, sagte ein Toyota-Sprecher. Wie hoch der Nachlass ausfällt, hänge vom Modell ab. Je größer das Auto, desto größer der Bonus. So sollen es etwa beim SUV RAV4 5000 Euro sein.

Hyundai hält sich mit konkreten Zahlen zurück. „Wir müssen erst genau wissen, was die Koalition nun im Detail beschließen will. Aber man kann davon ausgehen, dass wir Prämien anbieten werden, die im Bereich der Angebote anderer Importeure liegen“, sagte ein Sprecher.

Zurückhaltender äußerte sich die Opel-Mutter PSA Peugeot Citroën. Noch gebe es keine finale Entscheidung zu Prämien, die verkündet werden können. „Wir hatten ja wie die Wettbewerber zuletzt schon entsprechende Kaufanreize. Die wurden zunächst gut angenommen, aber dann ließ das Interesse sehr deutlich nach“, sagte ein Sprecher.

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Es soll, wie von der SPD gefordert, Nachrüstungen der Motoren von älteren Diesel-Pkw geben. Die Haftung für Katalysatoren und das Funktionieren der Abgasanlagen sollen die Zulieferer tragen.

Quelle: WELTLarissa Keller

Auch deutsche Hersteller gewähren Kaufprämien

Auch die deutschen Hersteller, die im Mittelpunkt des Diesel-Konzepts von Verkehrsminister Scheuer stehen, wollen Kaufprämien gewähren. Zumindest hatte es am Montag aus Regierungs- und Unternehmenskreisen geheißen, dass die deutsche Autoindustrie dazu bereit wäre.

Vor der Einigung in der Koalition hatte es geheißen, der Volkswagen-Konzern wolle pro Auto eine Umtauschprämie von 4000 bis 5000 Euro gewähren.

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Bei Mercedes sind bis zu 5000 Euro pro Auto geplant, bei BMW fix 6000 Euro. Die Hersteller hatten die Zahlen nicht bestätigt. Nachdem die Importeure, allen voran nun Renault, mit hohen Prämien vorgeprescht sind, ist es nicht ausgeschlossen, dass die deutschen Hersteller nachlegen und ihre Rabatte erhöhen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt allerdings nicht, dass sich die Kunden von den Prämien sonderlich beeindrucken lassen und nun die Autohäuser stürmen. „Nach den Daten zu den Rabatten, die es bereits im Markt gibt, gehen wir davon aus, dass Umtauschprämien nur einen überschaubaren Effekt haben werden“, sagte Dudenhöffer gegenüber WELT. „Nach unserer Einschätzung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Teil der heutigen Rabatte mit den Umweltprämien verrechnet werden könnte.“ Die letzte große Umtauschaktion hätte nur einen Effekt von rund 200.000 Autos gehabt.

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